Ich gebe zu, dass ich etwas ungehalten bin. Es ist Mitternacht und Zoey wacht im 5-Minuten-Takt auf. Zum Glück hat Reńćka heute mehr Geduld mit ihr und gleicht meine Position aus. Inzwischen liegt die kleine Maus in unserer Mitte und ich quatsche sie einfach zu. Keine geistreichen Worte, einfach nur zusammenhanglose Wortketten. Ihr fehlt die Kraft, weiter zu meckern. Auch die Augen fallen ihr immer wieder zu. Ich halte ihr Händchen und streichle ihren Kopf und die Stirn. Zoey kontrolliert weiterhin, wenn auch unregelmäßig, ob ich noch da bin. Dann lächelt sie einfach und taucht ein in ihren Schlaf. Dieses Lächeln lässt mich allen Unmut sofort vergessen. Als gegen 08:30 Uhr die Nacht zu Ende ist, kündige ich bereits meine Revanche für die Tage ihrer Pubertät an. Es wird mir ein Fest sein. Zudem ertappe ich mich abermals bei der Rechnung, wie lange es noch bis zum Mittagsschlaf dauern wird. Aber auch Zoey holt die Nacht heute schnell ein. Schon nach kurzer Spielzeit kann sie kaum noch die Augen offenhalten. Wir stehen also auf.
Noch vor dem Frühstück beginne ich mit einem neuerlichen Kassensturz. Später wird noch die Abrechnung für Silvester folgen. Es sieht solide aus und wir werden die Elternzeit weiterhin finanziell überleben. Um halb zwölf geht es endlich raus. Aufgrund des Regens heute können wir unseren Regenschutz einweihen. Anfangs bekommt die Prinzessin davon nur wenig mit, weil sie bereits nach den ersten Metern einschläft. Wir fahren heute in den Park, der beinahe menschenleer erscheint. Man merkt, dass die Schule wieder angefangen hat und dass der Alltag in die Stadt zurückerobert.

Unterwegs erreicht mich die Information, dass der Mann unserer Nachbarin nach langer, schwerer Krankheit an Neujahr verstoben ist. Ich bin sehr betroffen und traurig, weil sein langer Kampf leider nicht belohnt wurde. Zoey und ich kaufen eine Karte, um dann später unsere Anteilnahme auszudrücken. Kurz nach 13:00 Uhr sind wir zurück zu Hause. Für die Kleine gibt es heute Gemüsesuppe, welche sie aber nur zur Hälfte verzehrt. Der dann angestrebte Mittagsschlaf verschiebt sich um 10 Minuten, weil Madame einmal mehr durchs Bett turnt und spielen möchte. Dann schläft sie aber. Auf einmal fängt sie aber an meckern, krabbelt auf Reńćka und schläft dann auf ihr weiter. Vielleicht stellt sie sich gerade um und wird zur Bauchschläferin. Kurz nach 16:30 Uhr wecken wir sie auf und tätigen zum Wachwerden einen Videoanruf bei Oma Hihi.

Während Reńćka in der Küche eine Art polnische Pfannkuchen zaubert, klettert Zoey wieder durch die Wohnung. Die Phase des unbewussten Hochziehens hat heute offiziell begonnen. Neben den Stühlen im Wohnzimmer gibt es noch diese eine Steckdose im Flur, welche bei jedem Mal, wo sie daran vorbei krabbelt, ihre Aufmerksamkeit weckt. Die bisherigen mündlichen Verbote beeindrucken da wenig. Gut, dass dort die Kindersicherung verbaut ist. Dann wird noch das Kinderbett umgebaut. Auch wenn es noch Zukunftsmusik ist, dass sie dort in der vorgesehenen Form schläft, so haben wir diese Variante der Sicherheit wegen bereits jetzt gewählt.

Während des Umbaus klopft es an der Tür. Der Paketbote hat sich trotz stummgeschalteter Klingel nach oben getraut und unseren Kindersitz gebracht. Ein wenig vergnügungssüchtig ist das schon, wenn man bedenkt, dass das Paket über 15kg wiegt, unhandlich ist und oben die Gefahr besteht, dass niemand aufmacht.
Auf unserer kurzen Abendrunde wollen wir noch Reńćkas Heizstrahler zurückschicken. Dank Zoeys Kinderwagen bekommen wir das Paket auch problemlos zur Post. Allerdings hat diese seit 15:00 Uhr aufgrund einer Inventur geschlossen. Die Prinzessin lassen wir heute nur 20 Minuten schlafen, so dass es ihr deutliches Unbehagen bereitet, wieder aufzuwachen. Kurz vor sieben sind wir wieder zu Hause.
Wir stellen heute unbewusst etwas um, während ich mit Zoey spiele, geht Reńćka duschen. Spielen ist eigentlich die falsche Beschreibung, da sie auf meinem Schoß sitzt und die Schnüre meiner Strickjacke sowie den Reißverschluss besabbert. Dabei erzählt sie und brabbelt.
Wir versuchen uns zu unterhalten, wobei ich natürlich noch etwas üben muss. Erst dann gibt es den Brei und um 20:55 Uhr geht es für die Prinzessin ohne Umwege ins Bett. Sonderlich groß ist meine Hoffnung auf eine ruhige Nacht inzwischen zwar nicht mehr, aber ich lasse mich überraschen.