Der Wecker klingelt um 06:30 Uhr. Die Nacht war wieder einmal mehr als bescheiden. Der gewaltige Druck, so wenig spürbar er auch ist, benebelt das Unterbewusstsein. Ich wecke Reńćka. Zoey erwacht dabei auch kurz und will sofort aus dem Bett flüchten, warum auch immer dies so ist. Zum Glück muss sie noch gestillt werden und schläft dabei wieder ein. Reńćka steht auf, ich kuschele Zoey an mich. Bei jedem Umdrehen wird dann erst einmal gemeckert, aber es gelingt mir, dass sie wieder tief einschläft. Ich bestehe allerdings darauf, dass wir sie wecken, als Reńćka das Haus verlässt. Am Freitag hat es gut geklappt, dass sie gesehen hat, wie ihre Mama geht.
Der Plan geht auch heute auf. Wir winken Reńćka zum Abschied und Zoey muss nicht den ganzen Tag nach ihr in der Wohnung suchen. Wir gehen den Tag identisch an. Zum Einstieg schauen wir ein paar Videos auf YouTube. Meine Tochter zeigt mir dann auf dem Tablet, wie man problemlos Screenshots erstellen kann. Und auch heute zeigt sich wieder, dass sie verrückt nach Hunden ist. Bei jedem Bild mit einem Hund gluckst sie vor Entzücken. Vielleicht fahren wir bald einmal in einem Streichelzoo.
Kurz nach neun bereite ich unser Frühstück vor. Neben dem Brei stelle ich auch gleich mein Brot mit auf den Tisch und so haben wir keinen Leerlauf. Zoey kann gleich noch eine halbe Scheibe Brot hinterher schieben. Dann ziehen wir uns an und putzen Zähne. Malutka ist jedoch nicht bereit, die Zahnbürste wieder herzugeben. Erst als ich ihr zeige, dass auch meine Zahnbürste im Schrank abgestellt wird, beruhigt sie sich.
Wir starten gegen 10:30 Uhr zu Oma Hihi. Zoey ist absolut friedlich. Ich bin in Gedanken bei meiner Frau und drücke aktiv die gesamte Zeit lang die Daumen für Ihre zweite Klausur. Um 10:48 Uhr schläft sie ein und mir schießen die Tränen der Rührung und Liebe in die Augen. Sie ist wirklich ein Engel, meine kleine, tapfere Heldin. Ich hätte nie gedacht, dass man so empfinden kann, aber es gibt noch eine Steigerung der mir bisherig bekannten Zuneigung für einen anderen Menschen.
Damit sie wenigstens 30 Minuten schläft, fahre ich einen kleinen Umweg. Bei Oma angekommen, öffnet sie die Augen. Sie dreht sich immer wieder um und sucht nach Oma, um dann bitterlich zu weinen. Ich darf sie nicht loslassen. Oma hat heute Lockenwickler im Haar und ein Tuch auf. Damit weiß die Prinzessin nichts anzufangen. Erst nach einer Viertelstunde (Oma hat inzwischen die Lockenwickler entfernt) beruhigt sich die Situation und die beiden spielen gemeinsam.
Wir fahren kurz nach 12:30 Uhr noch einmal mit dem Kinderwagen in Richtung Supermarkt. Und ein Blick in den Spiegel verrät mir, dass ich echt grau geworden bin. Hoffentlich finden die Haare wieder zurück zur alten Farbe, wenn der Stress vorbei ist.
Als wir zurück sind, bekommt die Maus ihr Mittagessen und eine neue Windel. Dann wird gespielt und endlich kommt unser Prüfling nach Hause. Thematisch passte es heute besser und Reńćka strahlt die Zuversicht aus, dass die Prüfung besser als die erste verlaufen ist. Ich bin froh, dass nun eine kurze Pause ansteht, bevor es im Juni weitergeht. Es gibt dann Essen und auch Zoey probiert sich aktiv durch die Klöße, den Blumenkohl und die Roulade. Ihre Oma ist beeindruckt, da die anderen Enkel immer sehr herummäkeln.
Nach dem Essen gehen wir nach oben. Für Zoey ist mein altes Kinderzimmer ein tolles Spielfeld mit zig interessanten Sachen. Aber es ist halt auch der Ort, wo das Bett steht. Um 15:40 Uhr versuchen wir unser Glück mit dem Mittagsschlaf. Eigentlich sollte die Prinzessin so fertig sein, dass außer dem Schlaf kein Ausweg mehr existiert. Und es klappt. Auch ich döse kurz weg, bin aber rechtzeitig wach, um die Prinzessin nach einer Stunde wieder aufzuwecken.
Wir starten kurz nach sechs Uhr von Oma Hihi. Reńćka schlägt noch den Besuch des Einkaufszentrums vor, um nach Hemden für mich zu schauen. Zoey schläft kurz vor unserer Ankunft ein und ist wenig begeistert, dass sie nun in den Kinderwagen soll. Das Hemd ist schnell gefunden. In meinem Leichtsinn lege ich es ihr in den Wagen. Sie holt sie den Kunststoff-Verstärker des Hemdkragens heraus und spielt damit. Nach wenigen Minuten hat sie bereits dessen KO fabriziert und Reńćka nimmt ihn ihr weg. Dies führt zu lautstarkem Protest. Erst der Einsatz meines Schlüsselbundes besänftigt sie. Also sie übermütig wird, nehme ich ihr auch diesen Weg, was wiederum zu Geschrei führt. Der Eismann ist so lieb und gibt ihr eine Waffel, was die Situation beruhigt. Beim Einsteigen ins Auto gibt es wieder Ärger, weil wir ihr den Rest abnehmen. Die Fahrt in BAO bringt dann aber Ruhe.
Kurz nach acht Uhr sind wir wieder zu Hause. Unter unserem Fenster laufen heute Filmarbeiten. Für die Prinzessin gibt es aber nur noch den Abendbrei und den Weg ins Bett. Um 21:10 Uhr liegt sie bei Mama an der Brust. Nur mit dem Einschlafen will es heute nicht klappen. Erst kurz vor zehn gibt der Schlafmuffel auf.