Um 06:45 Uhr klingelt der Wecker. Bis dahin bin ich bereits dreimal wach und warte aufs Aufstehen. Zoey schläft noch, als Reńćka ins Bad kommt. Die anvisierte Startzeit von 07:30 Uhr schaffen wir nicht, sondern verspäten uns um dreißig Minuten.
Warum das Ganze? Während ganz Berlin seinen neuen und exklusiven Feiertag genießt, fahren wir zum Friseur nach Szczecin. Die Straßen der Hauptstadt sind weitgehend leer. Nur die Stadtreinigung hat den Ehrentag der Frauen verpennt, da uns zwei Damen bei der Ausübung ihres Berufes begegnen. Außerhalb Berlins wird es dann merklich voller und dank des Regens auf der Autobahn fahren wir vorsichtig. Und so kommen wir zwanzig Minuten zu spät zum Termin.
Zoey schläft die Fahrt über und ist nach unserer Ankunft der Star im Salon. Jeder findet sie süß und knuffig. Während Reńćka ihre Strähnchen bekommt, füttere ich die kleine Maus um 10:15 Uhr auf einer Bank im Einkaufszentrum. Wir telefonieren auch kurz mit Oma Hihi, der es heute leider nicht gut geht. Dummerweise sind wir nicht in Berlin, um ihr zu helfen. Auffällig ist die Bedeutung des Frauentags in Polen. In den Blumenläden stehen die Leute Schlange und die Frauen bekommen allerhand Blumen geschenkt. Auch eine Vielzahl Deutscher hat sich heute nach Szczecin verirrt. Reńćka verkauft uns im Nachgang für einen Aufenthalt im Spieleparadies des Einkaufszentrums. Dort verbringen wir die nächste Stunde und krabbeln umher. Wenn man die Sprache könnte, ließen sich hier bestimmt nette Kontakte knüpfen, aber bis auf eine ältere Dame, die sich nach dem Namen und dem Alter von Zoey erkundigt, kann ich meine Polnisch-Kenntnisse stecken lassen. Elf Monate ist unser Baby heute alt.
Als Reńćka fertig ist, hängt uns beiden ziemlich der Magen in den Kniekehlen und wir fahren in unser Stamm-Restaurant zum Essen. Zoey bekommt ein paar Kartoffeln und ist größtenteils ruhig und umgänglich. Die Besitzerin freut sich sowieso jedes Mal, wenn sie sie sieht, auch wenn ich mir heute nicht ganz sicher bin, ob sie uns einordnen kann. Dann geht es weiter zu Ciocia Edzia. Dort warten bereits die nächsten Anziehsachen und Spielzeuge für Zoey. Aber auch wir kommen heute nicht mit leeren Händen. Anschließend holen wir noch ein paar Sachen ab, die Reńćka bei einer Bekannten erworben hat und fahren einkaufen.
Auf dem Weg zur Grenze erledigt die Prinzessin nunmehr ein drittes Mal innerhalb von vier Stunden ein großes Geschäft, so dass wir an der letzten Tankstelle noch einen Pitstop einlegen müssen. Um kurz nach sechs starten wir dann in Richtung Berlin. Das ganze Auto ist dem Koma nahe, nur Zoey nutzt aber die Zeit, um zu schlafen. Um halb acht sind wir zu Hause. Es war aufgrund der Müdigkeit eine Qual, aber ich werde versuchen, es künftig zu ändern. So geht es nicht weiter. Union gewinnt in der Zeit 2:0 gegen Ingolstadt und bleibt im Aufstiegsrennen dabei.
Nachdem wir alles verräumt haben, stecken wir die Prinzessin erst einmal in die Wanne. Ich bin dankbar, dass wir so ein tapferes und genügsames Kind haben. Sie ist toll! Bevor sie ihren Abendbrei bekommt, fragen wir noch einmal bei Oma Hihi nach, ob es ihr besser geht, was zum Glück der Fall ist. Sie war im Krankenhaus, hat von dort aber eine To-Do-Liste bekommen. Wenn alles klappt, sehen wir sie morgen. Und diese Aussage bezieht sich vor allem auf unsere Prinzessin, die während des Abendbreis ihr nächstes großes Geschäft erledigt. Die Konsistenz lässt nichts Gutes erahnen.
Um halb zehn ist die Prinzessin an der Brust und eine halbe Stunde später auch schlafend im eigenen Bett angekommen.