Ich habe heute nichts von der Nacht mitbekommen. Nach der kurzen Nacht zuvor, war der Körper so fertig, dass er keine Ablenkung mehr zugelassen hat. Laut Reńćka war die Nacht aber auch ruhiger und Zoey hatte lange Phasen, schlafend, im eigenen Bett.
Um 08:30 Uhr ist Aufwachen und Aufstehen angesagt. Die Mädels sind da natürlich schon zugange. Zoey bekommt zunächst eine neue Windel und wir entscheiden uns für die geplante Reise in die Berge. Mutter und Tochter schauen aber zunächst noch die mitgebrachten Sachenbeutel durch.
Während Zoey frühstückt, ruft ihr Opa per Videoanruf an. Malutka reagiert cool und lässig. Gegen 10:00 Uhr buchen wir das Quartier und beginnen sogleich mit dem Packen. Wir sind ein wenig aus der Übung. Dennoch schaffen wir es bis zur Abfahrt um 12:30 Uhr alles zu packen und zu verladen. Auch bei unserer Nachbarin verabschieden wir uns. Man merkt ihr deutlich die Angst vor ihrer OP am Montag an. Ich bin mir aber sicher, dass alles gut gehen wird.
Auf den ersten Metern stellen wir fest, dass wir immer noch keinen neuen Sonnenschutz für die Prinzessin haben. Also klemme ich beim Tanken ein Spucktuch ins Fenster, was etwas Linderung bringt. Die Fahrt verläuft zügig, da u.a. alle Baustellen bis zur polnischen Grenze verschwunden sind. Es ist etwas wie früher. Wir sind unterwegs und auch für mich fühlt es sich größtenteils gut an. Nach der Hälfte der Strecke pausieren wir für unser Mittagessen. Für Zoey gibt es Fisch aus dem Glas und für uns Essen, dessen Preis sich anhand des Gewichts bestimmt. Beiläufig erfahren wir, dass Freunde von uns im August ihr zweites Kind erwarten. Zudem holt Union einen wichtigen Auswärtssieg in Duisburg. In der gastronomischen Einrichtung steht auch ein Aquarium und die kleine Maus ist hin und weg und will ihren Blick gar nicht abwenden.
Nach knappen fünf Stunden Fahrt kommen wir an. Unser Apartment befindet sich am Fuße des Riesengebirges und oben liegt noch Schnee. Auch hier beträgt die Tageshöchsttemperatur 16 Grad Celsius, allerdings geht es nachts noch deutlich in die Minusgrade rein. Wir müssen noch kurz warten. Zoey schläft derweil. Als dann die Dame zur Schlüsselübergabe kommt, brechen bei der Prinzessin alle Dämme. Eine fremde Frau und die unbekannte Umgebung lassen sie laut losweinen. Als wir wieder alleine sind, beruhigt sie sich aber schnell wieder.
Ich räume das Auto aus und erfreue mich an einer ausgelaufenen Getränkedose, welche für einen irreparablen Teildefekt meines Laptops verantwortlich ist. Während wir alles auspacken und die klebrigen Flüssigkeiten abtragen, erkundet Zoey ihre neue Umgebung. Sie wirkt happy, weil sie überall hin kann, ohne uns aus den Augen zu verlieren. Auch tritt heute unsere neueste Anschaffung in Erscheinung. Zoeys Reisehochstuhl wird ausgepackt. Sie ist begeistert.
Dann machen wir uns noch einmal auf den Weg. Nach dem Einkaufen gönnen wir uns einen Halt beim goldenen M zum Mitnehmen und gemeinsamen Essen in der Unterkunft. Es ist kalt geworden, sowohl draußen wie auch unser Essen. Dafür gibt es nebenan ein unterhaltsames Programm, da unsere Nachbarn streiten. Ich verstehe ja zum Glück nichts, aber laut Reńćka geht es hoch her. Zum ersten Mal bin ich froh über einen brummenden Kühlschrank. Er macht die Szenerie so friedlich. Dennoch frage ich mich echt, warum es uns unterwegs immer erwischen muss. Gegenüber ist es so ruhig.
Es ist spät geworden und so hängen wir mit der Abendroutine eine gute Stunde hinterher. Um 21:30 Uhr liegt Madame dann endlich im Bett, nur schlafen mag sie nicht. Es dauert bis kurz vor halb elf, bis der Schlafmuffel endlich einschläft. Sie hat mein vollstes Verständnis, da diese Tage nicht einfach für sie sind.