Ich bin todmüde. Während ich dann darüber sinniere, dass die Snooze-Funktion des Weckers die beste Erfindung ever ist, schreitet die Zeit unaufhaltsam voran. Inzwischen muss ich mich echt beeilen, um meinen ersten Termin, um 08:30 Uhr, noch zu schaffen.
Die Zeitumstellung lässt auch meine beiden Frauen noch schlafen und so mache ich mich leise fertig. Während ich mir etwas zu Essen für die Arbeit mache, kommt Reńćka heraus. Sie übernimmt das Brötchen schmieren und ich kann noch kurz zu Zoey. Madame ist wieder mit Reńćkas Haarspange beschäftigt und hat eigentlich auch gar keine Zeit für mich. Zehn nach acht bin ich auf dem Weg zur Arbeit.
Auf Arbeit habe ich eine interessante Diskussion über die berufliche Vorprägung der Mädchen durch die Gesellschaft. Bestimmte Berufsbilder sind klassisch weiblich, andere klassisch männlich besetzt und so müssen wir uns nicht wundern, dass so wenig Mädchen in einem MINT-Beruf arbeiten. Ich hoffe, dass uns das mit Zoey später liberaler gelingt.
Die Mädels starten kurz nach zehn zum Polnisch-Kurs. Heute streikt die BVG, somit steht in Berlin nur die S-Bahn zur Verfügung, was allerdings auf der Hin-Tour noch nicht bemerkbar ist. Dennoch endscheidet sich Reńćka für die Manduca, um flexibler zu sein. Aufgrund des Streiks ist die Runde jedoch sehr ausgedünnt und nur drei Mamas sind mit ihren Babys vor Ort. Dementsprechend hat Zoey richtig viel Platz und keine Konkurrenz um die Spielzeuge, weshalb sie wie eine Wilde mit einer Art Kinder-Rollator durch die Gegend düsen kann. Ansonsten gibt es wieder neue Bücher-Empfehlungen und die Mamas nutzen die Zeit für Smalltalk.
Auf dem Rückweg sind die Bahnen dann schon voller. Der einzige Mensch, der ihr einen Platz anbietet, ist ein leicht verwahrlost aussehender Mann, der später auch mit Reńćka ins Gespräch kommt und erzählt, dass vor wenigen Monaten seine Mutter verstorben ist und wie sehr sie vermisst.
Wir verabreden uns für die Mittagspause bei uns. Ich bin kurz nach 13:00 Uhr zu Hause und werde von den beiden Damen begrüßt; auch Zoey findet es irgendwann lustig, Küsschen zu bekommen, zumal sie sieht, dass ihre Mama auch welche bekommt. Mein Besuch ist heute zeitoptimiert, da ich sofort mit dem Füttern beginnen darf. Es gibt feinen Rinder-Gulasch und die leise Hoffnung, dass die Kleine etwas zum Kosten übrig lässt, was zum Glück so kommt. Danach bekommt sie eine neue Windel und verschwindet bereits um 13:30 Uhr im Bett zum Mittagsschlaf. Eine Viertelstunde später schläft sie ein. Als Reńćka aufstehen will, erwacht sie aber wieder, was diese wieder ins Bett zwingt. Um nicht wieder alleine zurück gelassen zu werden, legt sie die ganze Zeit ihre kleinen Händchen in Reńćkas Dekolleté.
Ich starte kurz vor fünf in Richtung Physiotherapie. Die Mädels erledigen währenddessen die Einkäufe und packen das Geschenk ein. Meine älteste Nichte hat heute Geburtstag und wir sind eingeladen. Gegen sechs starten wir, allerdings halten wir noch einmal kurz auf Arbeit an, weil ich etwas vergessen habe. Eine halbe Stunde später sind wir bei der Geburtstagsfeier. Zoey ist die Fahrt über skeptisch, taut dann vor Ort aber schnell auf. Sie spielt mit ihrer Cousine und isst mit uns. Wir machen uns kurz vor halb neun auf in Richtung zu Hause. Die Prinzessin erzählt die Heimfahrt über und ist im Begriff einzuschlafen. Reńćka hält sie bis wir ankommen wach. Zu allem Überfluss ist die Parkplatz-Situation heute mehr als bescheiden, so dass ich Mädels schon vorschicke.
Oben angekommen ist dann Geduld gefragt. Unser Baby ist hungrig und auch mehr als nur müde. Sie schreit und meckert. Nicht einmal beim Füttern will sie sich richtig beruhigen. Aber wir bleiben ruhig und machen sie routiniert bettfertig. Ich entschuldige mich bei ihr, dass es so spät geworden ist. Wir werden künftig wieder mehr Rücksicht auf ihre Belange nehmen.
Um 21:30 Uhr liegt sie bei Mama an der Brust und der Protest verstummt. Sie ist das tapferste Baby, was ich kenne. Gute Nacht, Schlafmuffel, auch wenn die Nacht unruhig werden wird. All die Eindrücke müssen ja auch irgendwann verarbeitet werden.