Ich hätte nicht geglaubt, dass man mit Frau und Kindern so weich wird. Man wird sensibel, wenn man lange voneinander getrennt wird. So auch in dieser Notsituation. Der Montag bringt akute Bauchschmerzen. Als ich mittags den Dienst beende, hilft nichts mehr; auch die fünf magischen Küsschen von Zoey nicht. Ich fahre ins Klinikum zur Notaufnahme. Nach vielen Stunden Warterei und Untersuchung steht die Diagnose fest.

Der Appendix muss raus und das auch zeitnah. Oberärztin Magdalena wird das gleich übernehmen. Irgendwie verliert man so ein wenig das Gefühl für die Zeit, aber es wird wohl um 21:30 Uhr gewesen sein, als ich den kurzen Kampf um gegen die Narkose antrete. Die Schwester ist im Anschluss so freundlich und schreibt Renia eine Nachricht von meinem Handy. Der Dienstag dann wird herausfordernd.

Auf dringenden Wunsch der Mediziner bleibe ich noch bis Mittwoch im Krankenhaus, wo man keine Ruhe finden kann und auch die Nächte Dank meines 87 Jährigen Zimmerkollegens Lothar nicht erholsam sind. Wieder einmal wird mir der wichtige Auftrag bewusst, dass Renia endlich Auto fährt. Hin und zurück geht es mit beiden Kindern gen Kita. Sie managt meine Abwesenheit gut, auch wenn die Kinder komisch auf mein Fehlen reagieren. Nebenher organisiert sie noch, dass mich eine Tasche mit Kleidung und Essen erreicht.

Ich glaube, die meisten Menschen sterben im Krankenhaus, weil sie schlichtweg verhungern. Wie soll man von solchen Zwergenportionen satt werden. Die zweite Nacht bringe dann auch noch irgendwie rum. An Schlaf ist nicht zu denken, weil es um Lothar wird. Der alte Herr träumt wildes Zeug und grüßt bereits um kurz vor sieben freundlich in meine Richtung.

Um 12:30 Uhr endet das Kapitel Krankenhaus. Ich schleppe mich zum Auto. Umso erleichterter bin ich, als ich wieder daheim bin. Olek scheint sich an mich zu erinnern. Wir holen gleich Zoey ab. Sie zeigt mir anfangs die kühle Schulter. Auch nachdem sie zu Hause die Op-Narbe sieht, taut sie nicht auf. Das Kinderturnen, heute in Begleitung von Renia, bringt Linderung.

Die Jungs schlafen derweil. Dann wird gechillt und gegessen. Nur Olek ist unzufrieden. Renia führt es darauf zurück, dass er gerade in der Veränderung zum Sitzen und Krabbeln ist, dies noch nicht klappt, usw… Das abends dann zerreißt einem aber fast das Herz. Ich kann ihn einfach nicht auf dem Arm nehmen, weil es weh tut. Oleks Weinen suggeriert aber, dass er genau das gerade braucht.

Also wird Renia dazu zitiert. Olek wird abgeholt und landet bei Zojka in der Badewanne. Dann geht alles wieder seinen normalen Lauf. Der kleine Mann bekommt noch seinen Brei, seine Schwester die Milch, ich die Thrombose-Spritze und dann geht’s in die Waagerechte. Wir Männer dösen als erstes weg. Bei den Frauen hat Zoey noch ein wenig Redebedarfun

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