Um 06:30 Uhr endet die Nacht für mich. Ich verlagere mich zu Zoey auf die Matratze und wohne ihrem Aufwachen bei. Bevor Renia zur Arbeit geht, ist auch Malutka dann auf den Beinen.

Mit der Dusche bin ich dann schon durch und so können wir uns gleich um Zoeys Kakao kümmern. Dann versuche ich Zoey beim Anziehen davon zu überzeugen, das neue Kleid anzuziehen, welches ihr Renia gestern genäht hat; ohne Erfolg. Ich lasse es nicht eskalieren, sondern respektiere ihren Wunsch, auch wenn es für Renia schade ist.

Als ich mir in der Küche heimlich ein Marmeladenbrot mache, steht Zoey neben mir. Ich muss also auch ein kleines bisschen ihrem Brei unterrühren. Nach dem Essen machen wir uns fertig und auf den Weg. Wir haben es heute tatsächlich in kürzerer Zeit geschafft. Dennoch bin ich später bei den Tagesmüttern raus. Aber Zoey fremdelt zunehmend weniger.

Auf Arbeit dann wartet ein Tag, der minütlich neue Hiobsbotschaften in der Coronakrise hervorbringt. Ich glaube, nie zuvor ist ein Freitag, der 13. so unbeachtet geblieben. Berlin wird ab Montag sukzessive Schulen, Kitas und öffentliche Einrichtungen schließen. Dies bringt jede Menge strategische Anpassungen in jederlei Hinsicht mit sich. Auch die Fußball-Ligen stellen ihren Betrieb ein. Die Gesellschaft muss alles tun und tut alles dafür, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Es ist gespenstisch, aber ich bin für mein Team und meine beiden Frauen zu Hause stark. Ich beschließe, aufgrund des Sturms, der ebenfalls draußen vorbeizieht, Zoey mit Auto abzuholen, um anschließend auch gleich noch die nächsten Einkäufe zu erledigen. Es zeichnet sich bereits wieder ab, dass die Menschen erneut Hamsterkäufe tätigen. Besonders Toilettenpapier ist der Renner.

Renia stellt ihr Fahrrad bei mir auf Arbeit ab und kurz nach drei sind wir bei Zoey, welche uns voller Freude begrüßt. Anschließend zeigt sie Renia „ihre“ Eisdiele. Heute gibt es eine Kugel Melone. Dann fahren wir einkaufen. Viertel nach vier sind wir daheim. Die Mädels fahren noch zur Drogerie und ich laufe zurück zur Arbeit. Auch mein Haus wird ab Montag für den Publikumsverkehr geschlossen.

Ich versuche noch, einige Dinge zu regeln und telefoniere um sechs mit meiner Schwester. Auch sie ist besorgt, kann mir aber viele Dinge erklären und beruhigt mich mit ihrer Expertise. Wir entwickeln einen Schlachtplan für unsere Mutter, welchen wir nur irgendwie durchsetzen müssen. Aber auch ihre Schwiegereltern können sich noch nicht so richtig damit zurechtfinden, dass der Kontakt zu den Enkelkindern in den nächsten Wochen nur elektronisch sein wird.

Kurz nach sieben bin ich zu Hause. Renia hat das Essen vorbereitet. Zoey ist quenglig, beruhigt sich aber, als sie dann beide Elternteile hat. Nach dem Telefonat mit Babcia wird gegessen. Das Curry-Hähnchen kommt gut an. Dann gibt es wieder ein Fußbad für den lädierten Zeh, welcher aber stetig besser aussieht.

Dann geht es ins Bett. Heute ist es 20:45 Uhr. Während Zoey einschläft, vermelden die Polen, dass sie Grenzen zu Deutschland schließen. Nur noch Polen dürfen einreisen, müssen aber für 14 Tage in Quarantäne.

Die beeindruckendste Nachricht heute war aber diese, welche einem eine Gänsehaut auf den Rücken zaubert. China hat Italien 2300 Kisten Atemschutzmasken geschickt. Auf den Paketen steht: „Wir sind Wellen desselben Meeres, Blätter desselben Baumes, Blumen desselben Gartens“. Die Welt ist noch nicht verloren… ganz sicher nicht!

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